Wie sollte eine Kaiserschnitt-Naht eigentlich (nicht) aussehen?

Wichtig zu erwähnen ist bei all meinen kleinen Tipps und Kniffen: Sie ersetzen nicht die Kompetenz einer Hebamme, einer Stillberaterin oder von Kinder- und Frauenärzt*innen. Sie sollen euch nur Orientierung geben und als praktisches Input für eure Zeit rund um die Geburt dienen. Wann immer ihr etwas Ungewöhnliches bemerkt, nehmt bitte unbedingt Kontakt zu eurer Hebamme und euren Ärzt*innen auf!

Ganz egal, ob Deine Bauchgeburt geplant oder ungeplant war – Du hast jetzt eine Naht zwischen Venushügel und Unterbauch. Mein Tipp: Versuche, sie anzunehmen – sie gehört zu Dir. Schließlich war sie für euer Baby das Tor in unsere Welt und sie hat euer Baby endlich in eure Arme gebracht.

Wenn Du eigentlich eine ganz andere Geburt im Sinne hattest, kann es sein, dass Du Deine Naht erst einmal als etwas Fremdes wahrnimmst. Als etwas, das Du Dir so nicht gewünscht hattest. Besonders jetzt ist es wichtig, Deiner Naht auch etwas Pflege entgegenzubringen. Aber auch, wenn Du Dich ganz bewusst für den Kaiserschnitt entschieden hast, benötigt Deine Naht Beobachtung.

Idealerweise hast Du eine Hebamme, die sich im Wochenbett mit ihrem fachkundigen Auge um Deine Kaiserschnitt-Naht kümmert. Aber auch wir Hebammen können nicht rund um die Uhr um euch sein – also beobachte Dich ruhig auch ein bisschen selbst.

Wie also sieht so eine gesunde, unauffällige Kaiserschnitt-Naht aus? Nun, jede Naht ist anders. An dieser Stelle ein kleiner Filmtipp: Vielleicht gefällt Dir der Film „Meine Narbe – Ein Schnitt ins Leben“ von Mirjam Unger und Judith Raunig aus dem Jahr 2018. Hier kommen Frauen zu Wort, die über ihr Geburtserlebnis berichten: Gedanken, Gefühle und Geschichten teilen sie mit uns. Denn zu oft wird der Kaiserschnitt gesellschaftlich zum Tabu.

Also, so darf Deine Naht aussehen
  • Manchmal wirst Du mit einem Pflaster über der Naht entlassen, manchmal wurde es schon im Krankenhaus entfernt.
  • Die meisten Kaiserschnitte werden mit selbstauflösendem Faden genäht. Man erkennt den Unterschied nicht immer. Falls Du Dir nicht sicher bist, ob der Faden selbstauflösend ist, ruf‘ am besten direkt im Kreißsaal/der Geburtenstation deiner Klinik an, um nachzufragen.
  • Manchmal werden Kaiserschnitte geklammert. Diese Klammern werden meist vor der Entlassung aus der Klinik entfernt. Ansonsten macht das Deine Hebamme oder Deine Frauenärzt*in.
  • Selbstauflösende Nähte brauchen für die Resorption theoretisch zwei Wochen, meist aber länger.
  • Die Naht steht nicht unter Spannung. Wenn sie ziept und Du merkst, dass sich die Haut um die Naht einzieht, bitte Deine Hebamme oder Deine Frauenärzt*in, den Knoten am Ende der Naht zu lösen.
  • Manchmal sieht man ein richtig dunkles, vielleicht sogar großes Hämatom über oder unter oder rund um die Naht. Wenn Du das Gefühl hast, dass das Hämatom sehr prall ist, kann Hebamme oder Ärzt*in nach einer Woche einen Teil der Naht öffnen, um die Ansammlung von Blut und Wundsekret hinauszulassen. Manchmal gehen Nähte auch (zum Beispiel beim Schlafen) von selbst etwas auf und es entleert sich die Wundflüssigkeit – und das kann eine Menge sein. Wichtig: Halte Deine Naht gut sauber. Wenn Du duschen gehst, verwende in diesem Bereich keine Seife und keine Duschgels. Zur Sicherheit kannst Du die Naht auch ein bis dreimal täglich mit Octenisept Schleimhautantiseptikum ohne Alkohol aus der Apotheke besprühen und lufttrocknen lassen.
  • An Deine Naht darf generell viel Luft kommen, dann heilt sie besser und die Haut ist weniger irritiert.
  • Deine Naht sollte keine unangenehme, sich vergrößernde Rötung aufweisen. Das wäre ein Zeichen für eine (beginnende) Infektion. Wenn Du nicht sicher bist, gehst Du einmal mehr als zu wenig zu Deiner Ärzt*in oder lässt Deine Hebamme einen Blick draufwerfen.
  • Deine Naht sollte nicht eitern. Auch das wäre eine Infektion.
  • Manchmal spürt man an der Naht Schwellungen und Verhärtungen. Das ist meistens ganz normal. Wenn die Schwellung aber zunimmt und eine Rötung sich dazugesellt: Lass‘ die Fachmenschen einen Blick drauf machen.
  • Wundere Dich nicht, wenn die Narbe richtig taub ist und Du kaum oder gar nicht spürst, wenn Du mit den Fingern darüberfährst. Auch das kommt sehr häufig vor. Es kann monatelang dauern, bis Du hier wieder mehr Gefühl hast. Ich habe schon mit Frauen gesprochen, die auch nach Jahren noch ein etwas taubes Gefühl rund um ihre Kaiserschnittnarbe hatten.

Die Naht heilt von außen ziemlich schnell: Die Haut ist schon nach wenigen Tagen zu. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn Dein Bauch wurde nicht nur an der Haut zugenäht, sondern auch deine Gebärmutter bzw. die Muskelschicht wurden genäht. Das dauert. Bitte nimm es also ernst und schlepp keine schweren Sachen, die mehr als Dein Baby (ohne Babyschale) wiegen. Mach keine Bewegungen, die Deine Muskeln stark beanspruchen (Situps, Crunches, Ausmalarbeiten etc. meine ich). Bewegung ist in Maßen gut, Du sollst nicht nur herumliegen. Du sollst aber wirklich auch noch keine allzu langen Fußmärsche machen. Man wird das Zuviel an Bewegung an Deiner Narbe sehen, sie wird wulstiger und unebener aussehen.

Gerne schreibe ich auch einmal einen Beitrag darüber, wie Du Deine Naht aktiv pflegen kannst, wenn Du möchtest. Denn gerade, wenn Du mit ihr nicht zufrieden bist oder sie noch nicht als Dein Eigen ansiehst, solltest Du Dir Zeit nehmen, Dich um sie zu kümmern, damit Du sie eines Tages als einen Teil von Dir ansehen kannst.

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